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Der gedopte
Koch
Spitzenkoch, Koch des Jahres, Haubenkoch des Jahrzehnts, Koch
des Jahrhunderts. Die Superlativen welche Gourmetkritiker mit
Köchen und Zeit erschaffen, kennen kein Limit. Erst jüngst
trafen sich eine Runde Gourmetjournalisten mit ihren Eleven und
Protagonisten sowie Förderer aus der sogenannten bevorzugten
Küche in einem Flughafenhangar. Eine Via Delikatesse soll
gegründet werden! So eine Art Jakobsweg der Feinschmecker, damit
Produzenten sogenannter besserer Kost nicht auf ihrer Ware
sitzenbleiben müssen. Der gewöhnliche Feinschmecker ist ja wie
der Affe der alles nachmacht, und wenn niemand was vormacht
haben die Fressgorillas Langeweile und gehen in den Puff.
Sicher ist
davor der eine oder andere Tausender geflossen. Auf alle Fälle,
so konnte man es in den Boulevardblättern nachlesen, war das
eine super Idee und fand viel Zustimmung in der edlen Runde. Ein
Jahrtausendkoch wurde nicht erschaffen, aber Orden gab es doch.
Mit dem "Wir sind halt einmalig gut" Gefühl hat man die Heimkehr
angetreten. Tags darauf verkündete man es in der Presse...
Die
miteinander versippte Gastronomie Gesellschaft ist sich
natürlich dieser Peinlichkeit nicht bewusst die mir dabei
auffällt:
Fast
keiner der prominenten österreichischen Edelbrutzler kommt noch
ohne gut betuchten Sponsor aus. Und just ein Unternehmer dessen
Produkte alles andere als "Gourmet - Tauglichkeit besitzen, da
sie sämtlich bloß essbarer Kunststoff sind, ist größter Mäzen
dieser siedenden Inzucht.
Kaum einer
dieser Gaukel - Köche muss sich daher wirtschaftlich bewähren
wie wir der Otto Normalverbraucherwirt, auf den dieses Marketing
Getriebe endgültig abzielt. Wie beim Gourmetführer Michelin und
Gault Millau macht man das Geld mit dem nachäffenden Kleinvieh.
Man kann das erforderliche Zeug für die gewünschte Ausrichtung
einer Gasthausküche stets in gut sortierten C&C Märkten kaufen.
Das geht bis zum hohen Pachtzins für Geldverschwenderhütten im
Finsterwaldgraben.
Ja es geht
soweit, dass sich gewisse Lieferfirmen speziell auf die
Haubenküche eingerichtet haben und die andern Wirte schon aus
ihrer Werbung ausschließen. Oberton: Werde erst so wie wir Dich
wollen, dann kaufe unser Produkt. So gibt es Komikerprodukte en
masse: Angefangen von Alpenlachs bis zu besonderen (besseren)
Tomaten und Zucchini will man unter neuen Schlagwörtern an den
Mann bringen. Knorr bringt eine Bio Bouillon auf den Markt und
Massentierhalter springen auf den Biozug wie originelle
Fischquäler, welche Störe zwecks Kaviargewinnung in
Gefangenschaft halten.
Gute
Produkte sind aber in Wirklichkeit so gering vorhanden dass sie
kaum ein Restaurant über einen dieser Großmärkte erreichen
können. Weder bei Fleisch noch bei Früchten oder Gemüse ist ein
Kleinproduzent in der Lage die Großmärkte der Metro, Pfeiffer
oder REWE ausreichend zu beliefern. Zudem werden dort bei den
Einkäufern finanzielle Massregelungen angewendet, vor denen mir
ehrlich graust. Es geht um halbe und viertel Cent kann man
annehmen. Dem Kunden will man stets das Billigst bieten, sich
aber auch für den teuren Marketingeinsatz ein Scheibchen
abschneiden!
Also laufen
nicht nur die Langläufer oder fahren die Radler von der Sohle
bis zum Scheitel gedopt umher. Wirte und vor allem Promi Köche
machen das auch. Eine Prise Schnee, ein diskretes
Schulterklopferl vom Gourmetprofessor, ein Diplom aus dem
Laserdrucker und der Koch macht sich voll die Hose nass!
Es ist lachhaft wie recht doch der gute alte Platon hatte, als
er in einem Dialog zwischen Polos und Sokrates den Weisen
sprechen lies:
"Kochen ist
das denn eine Kunst?"
„Gar keine, o Polos!“ antwortet Sokrates seinem
Gesprächspartner. „Aber was denn dann, sprich?“ „Es ist eine
gewisse Übung, eine kleine Laune Lust und Wohlgefallen zu
erwirken. Kochkunst ist ein Teil eines Bestrebens. Eine
Afterkunst."
Danke
Herr Sokrates! Ein wahres Wort. Kochen ist wie Radfahren bei der
Tour de France. Die Vorbilder dort bringen das Geschäft in der
Provinz. Wie der Fernsehkoch dem Otto Normalverbraucher die
richtigen Bio Eier andreht, hat der Bürohengst wenn er auf dem
4000 Euro Fahrrad um den Atterssee braust, seinen Kraftstoff
dabei. Voll normal und voll legal.
Daher
sorgen sich in Österreich so tolle Mäzene um ein paar
Haubenköche, dass sie ihnen so eine teure kulinarische
Gummizelle finanzieren.
B.
Gössnitzer
Die Küchenschelle
Um hinter ihren
eigenartigen und in unserer Zeit fast unverständlichen Namen zu
kommen ist schwierig. Sie ist kein Gewürzkraut. Die Küche war
einst der Ort der Frauen.
Zumindest im Haushalt arbeiteten mehrheitlich Damen am Herd. Dass es dabei nicht immer ruhig und
besonnen zugegangen sein mag, liegt in der Natur des weiblichen
Geschlechts. Diese Pflanze ist als Beruhigungsmittel noch jetzt
als wirksame Arznei für "schwierige" Frauen anerkannt. Küchenschelle bedeutet
nichts anderes als Mittel zur Stillung eines lauten Gezeter
zwischen Küchenpersonal.

Eine alte Sage berichtet
von der Göttin Venus, die in ihrer Liebe zu Adonis diese Blume
erschuf, als Adonis von einem Eber den der Gott Mars in jener
Jagd verkörperte, überrannt und getötet wurde. Venus eilte zum
Leichnam und verwandelte ihn in die Anemone. Die rote Farbe sei
ihr Blut, da sie sich an einem Rosenstrauch geritzt hatte, es
tropfte auf die Anemone.
Der junge
Falter hat eben seine Hülle verlassen und nützt die
Sonnenstrahlen zum entfalten seiner Flügel. Der Sommer kann
kommen.
Sommerküche
überall ?
Als Tourist hat man es
immer schwerer, im Urlaub gutes essen zu genießen. Die Küchen
der Alpenländer bieten bereits Flächendeckend den vor Jahren schon befürchteten
EU - Einheitsbrei. Speisenkarten ähneln sich erschreckend,
unsere Gastwirte und Hoteliers scheinen sich alles von einander abzuschauen.
Schlechtes Fett, dürftige Fleischqualität, jede Menge Speisen
aus der Fabrik. Von einer speziellen Sommerküche kann nur bei
den Preisen und den Portionen die Rede sein. Die Preise folgen
den Temperaturen und die Portionen scheinen in der Hitze zu
schrumpfen. Was gibt es Schlimmeres als wenn man auf Almhütten
die ohnehin preislich gesalzene Suppe in Tassen ausschenkt, die
für müde ausgelaugte Bergtouristen mehr ein Spott sind als Grund
zur Freude. ein Viertelliter Wasser mit Brühwürfel und ein paar Frittaten
für Drei Euro und darüber.
Panik in
den
Sternetempeln!
Ö sterreichs
Sterneköche in Panik. Ob Mörwald, Hanner, Schaßburger oder Alois
Hühnergack. Alle plagt der wahr gewordene Albtraum. Angst und Schrecken verbreitete die
Meldung, das Österreichs Nobelbrutzler fortan ohne das Prädikat
"Sternekoch" auskommen müssen. "Haubenkoch" bleibt ihnen
zwar vorläufig noch erhalten, aber die Finanzkrise lässt den
Gourmetführern keine andere Wahl. Hubenkoch ist zudem nur
die zweite Wahl, denn das kann fast jeder Tankstellenshop
erreichen. Die Leute sind nicht so
dumm wie man vor einigen Jahren noch gedacht hat. Geld auf den
Tisch legen während in den firmen Kurzarbeit und Kündigung
vieler Mitarbeiter angedacht wird, das spürt niemand so schnell
als der Haubenkoch, wo man das Geld in guten Zeiten ohne zu
überlegen gerne hinträgt. Da ist so ein Stern eine zusätzliche
Absicherung, die Leute zu generieren, die sich auf die Expertise
eines Gastes verlassen, der einmal pro Jahr die Hütte aufsucht
um seinen Senf darüber in ein Buch zu schreiben. Inzwischen
haben sich Haubenköche in einer Initiative zusammengetan und den
Herausgeber des Guide Michelin gebeten, Österreich doch nicht zu
verschmähen. Dabei wissen gut unterrichtete Kreise die wahren
Gründe. Österreichs Gastronomie ist eine versippte Gesellschaft,
die seit Jahrzehnten völlig unbeweglich alles nachäfft was
Deutschland und Frankreich vorleben. Fast alle Köche haben
ähnliches Fachwissen und verlassen sich auf die Winke aus der
Fachpresse, letztere wiederum ist nicht der Lage sich vom
Würgegriff der Warenbörsen zu lösen. Betrachtet man die
Wertigkeit der Gourmetführer bei den Gästen, so kommt man
schnell zum Schluss, dass diese sehr gering ist. Klarerweise
wird das niemand dem Haubenkoch an den Kopf werfen. Lieferanten
die sich mit Werbeeinschaltungen in den Büchern einkaufen gibt
es immer weniger. Ich finde diese Entwicklung sehr gut. In der
Zukunft werden vermutlich REWE und METRO oder MASTER FOODS die
Herausgeber diverser Führer werden, da sie ja mehrheitlich zu
den Über - Lieferanten der Betriebe generieren.
Ich vermute dass es die
anderen Gourmet Guides früher oder später auch erwischen wird
und das peinliche gastronomische Zumpferl zeigen und vergleichen
ein Ende findet.

Wir wünschen allen
Besuchern dieser Internetseite einen schönen Sommer!
Nur ehrliches Bedürfnis
ist die Grundlage wahren Geniessens!
(François
Marie Arouet)
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