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Maurice Edmond Saillard
vulgo "COURNONSKY"
Medien
bestimmen die Kochkunst.
Wir Köche können es nicht.
Unsere Sprachkenntnisse reichen oft nicht einmal aus um eine
Speisenkarte ohne die Hilfe eines Lexikons zu schreiben. Wenn um die
Gastronomie keine Geschichten geschrieben worden wären, dann hätten wir
jetzt wahrscheinlich keine sehr vielseitige Küche. Schon das Gerücht um
eine neue Speise hat immer schon die Menschen fasziniert. Ein neues
Gemüse aus Italien über die Alpen getragen und in den Orangerien gehegt
und gepflegt um dann daraus eine Köstlichkeit zu zaubern, diese Sage
lesen wir in vielen Kochbüchern, die ihre anonymen Schreiber
überdauert haben. Karl der Große hat seiner Frau Hildegard aufgetragen
überall die Körnlein des Dinkel zu bringen um dem Volk eine gute
sättigende und die Gesundheit erhaltende Nahrung zu schaffen. Die
Minnesänger des hohen Mittelalters besangen nicht nur unbarmherzige
Fürsten mit Spottliedern und verliebte Prinzipale mit schmalzigen
Liebesliedern, sie besangen auch den kulinarischen Segen eines Landes
sehr ausführlich. Oswald von Wolkenstein war ein Wirtshausliebhaber, der
keine gute Mahlzeit ausgelassen hatte.
Das 20. Jahrhundert schenkte
Frankreich einen dieser Sänger:
Maurice Edmond
Saillard
Cournonsky ist
für mich der Erste unter den Gourmetkritikern. Er galt als unbestechlich
und speiste aus diesem Grunde fast überall gratis. Es war eine Ehre
diesen Mann im Hause zu haben, man schätzte ihn als einen guten Geist,
der Gäste brachte. Restaurantkritiker nahmen den Köchen viel Arbeit ab.
Sie informierten über gute Produkte und gute Verwertungsmöglichkeiten.
Sie kannten die Märkte und Weinbauern wie niemand sonst, den jedem war
so ein Mann sehr gelegen, der den guten Ruf einer Sache ins Land
getragen hat. Ohne Cournonsky wäre die französische Küche in den Jahren
nach dem ersten Weltkrieg wohl nie mehr so berühmt geworden.
COURNONSKY LEBT
....
Am Ende des
19. Jahrhunderts hat der Verkehr in Europa eine Größenordnung
angenommen, dass mit der Möglichkeit zu Reisen auch der Wunsch angenehm
zu nächtigen und zu speisen im selben Ausmaße mit angewachsen ist.
Cesar
Ritz und Auguste Escoffier waren neben einigen anderen Personen in
Deutschland Frankreich und Großbritanien, am Höhepunkte ihrer
Schaffenskraft und ihr Beispiel führte zu der größten Revolution in der
Geschichte der Beherbergung und Verpflegung von Gästen. Escoffier ist
davon vielleicht gar nicht der Wichtigste, aber der Bekannteste
Vertreter der schreibenden Köche Frankreichs, denn er erreichte mit seinen Lehren
durch die Schifffahrt auch auch
Amerika.
Besonders dort dürstete man nach neuen
Erkenntnissen, denn die feine Gesellschaft der Oststaaten wollte
natürlich ihre Feste gebührend mit den neuesten kulinarischen Sachen aus
dem Heimatland der feinen Küche Frankreich ausstatten. Erste
Kochschulen entstanden und es war Amerika von wo aus auch eine neue
Servierkultur seinen Ausgang nahm.
Cournonsky, - Maurice Edmond
Saillard mit bürgerlichem Namen, kam am 12. Oktober 1872 in
Angers , Frankreich zur Welt. Er besuchte keine besondere
Schule und kam doch um 1888 irgendwie an die Pariser
Universität um sich Literatur Vorträge anzuhören. Sein Interesse an den
Studien war bald aufgezehrt und durch Freunde lernte er bekannte Pariser
Zeitungsherausgeber kennen. Schnell erkannte er die Chance die sich dort
einem cleveren Burschen wie ihm bot. Zeitungen zu lesen wurde damals
eine angesagte Sache und man war erpicht zu wissen was gerade in der
Zeitung stand, jedermann der etwas auf sich hielt las Zeitung und auch
das Reisen wurde durch diese schnelle Literatur völlig kurzweilig.
1892
hört man von Maurice E. Saillard dem man später den Namen COURNONSKY
geben wird, zum erstenmal im Zusammenhang mit Journalismus. Er war ein
jovialer freundschaftlich gesinnter Mann und machte sich überall schnell
gute Freunde. Er trank gerne einen guten wenn nicht den besten Wein und
speiste wo immer er ein Gasthaus fand, sehr üppig . Besonders liebte er
die Weinkontore von Paris wo es die regionale Küche aus den Provinzen zu
verkosten gab. Terrinen aus dem Süden, Oliven und eingelegten Fisch
sowie ab und zu von echten Landfranzosen zubereitete Pot au Feus.
Als Journalist
hatte man es nicht immer leicht, gerade dann wenn man sich um den
Pariser Klatsch zu kümmern hatte, schon damals bestimmten die
Gewalthaber gerne was in den Zeitungen stand, so wurde Saillard auch ab
und zu bedroht und bevorzugte daher anonym zu schreiben.
Seine Kolumnen in
vielen Gazetten signierte er mit dem Pseudonym: COURNONSKY.
Sein
Biograph Simon Arbellot gibt über den personifizierten Prinzregenten der
französischen Gastronomie folgende Erläuterung ab:
"Wenn man die Wege
Cournonskys in seiner frühen Zeit verfolgt, kommt man unwillkürlich in
das eigenartige Triebleben des Boulevard, seine Verhältnisse zu
Prostituierten ebenso wie seine Tage in Werkstübchen von namhaften
Künstlern, von denen zu jener Zeit kaum jemand noch erfahren hatte. .
Niemand sonst atmete so stark diese parfümierte Luft einer Zeit die
später einmal Le belle epoque genannt werden wird.
Sein Freund
Alphonse Allais gab ihm den Tipp sich ein gutes Pseudonym zu finden, um
nicht Schaden an seinem Ruf zu nehmen, wenn er immer wieder in der
Flitter und Halbwelt Paris verkehrte. Ab und zu ging er nachmittags in
ein Cafe, fand sich Abends in einem bekannten Pariser Restaurant und
wachte morgens in einem Bordell auf um in einem Geschäft mit
provenzalischen Landesprodukten sein Frühstück einzunehmen, seinen Kater
mit einem jungen Beaujolaise hinunterzujagen.......
Es war damals auch
die Zeit des franko - russischen Entente. Ein Engländer der neben ihm
stand soll ihm das Stichwort für se3in Pseudonym genannt haben: In
Anspielung an seine himmlischen Fähigkeiten wie ein Gott durch die Welt
zu wandeln, das paradiesische unter den Menschen hervorkehrend : "Why
not Sky?" Saillard antwortete: "Cur non Sky?" Das Pseudonym
Curnonsky war gefunden!
Man konnte
Cournonsky überall finden. Die Konformität seiner Zeit hat er stets
übertrumpft. In Bordellen und Hinterstübchen von Weinhändlern fand er
was er suchte. Leben und Leben lassen und immer den Sinn für eine
Delikatesse die noch niemnad entdeckt hat. Letzeres
am Morgen wie schon erwähnt weil es dort das beste Frühstück gab.
P.J. Toulet und Jean de Tinan waren seine Freunde. Willy ein Humorist
lud ihn in seinen Club ein, das war wie eine Auszeichnung für seinen
Geschmack, denn der Altmeister des Humors wie man Willy nannte, galt als
Kenner der intimsten Szene dieser Weltstadt. . In einigen Novellen und
Aufsätzen nimmt jener direkten Bezug auf die gastrosophischen Qualitäten
Cournonskys. Unter anderen der vielsagende Titel dem er speziell
Cournonsky widmete:
Das Brevier der Kurtisane. (Le brevier des courtisanes)
Das
Glück des Prinzen.
Cournonsky war ein
hervorragender Gesprächspartner. Überall wo diskutiert wurde fand man
ihn und seine Meinung galt als wertvoll. Marcel Proust bestaunte den
kräftigen Mann ebenso wie Maxime Dethomas. Maurice Bertrand traf ihn im
Maxims wo der dicke Mann sich gerne von mehreren Frauen massieren
gelassen haben soll...
Eines Tages hielt
er es in Paris nicht mehr aus und er machte eine lange Reise nach
Afrika. Dies ermöglichte ihm ein französischer Großwildjäger der in den
afrikanischen Kolonien zur Jagd ging. Während Cournonsky die afrikanische
Lebensart studierte und auch von dort viele sehr gute Anregungen für die
französische Kochkunst von dort mitbrachte, waren seine Gönner auf
Safari. Auf einer Reise nach China
lernte er die chinesische Küche lieben und selbstverständlich auch
kochen. In seinem Gepäck hatte er natürlich auch wieder gewisse
Köstlichkeiten welche man bisher in Europa noch nicht kannte. Die
chinesische Küche bezeichnete er auch als die beste der Welt.
Dieses Wanderleben
brachte ihm einen Erfahrungsschatz ein den er in vielen Novellen und
Aufsätzen rege verarbeitete. Er schrieb Anekdoten und mitunter auch
Restaurantkritik in den Pariser Wochenzeitungen. In diesem Metier hatte
er dann auch seinen größten Erfolg. Fünfzig gastronomische Vereine boten
ihm die Präsidentschaft an und jede Gastronomie Akademie wollte seine
Vorträge abonnieren. Jedes große Fest wurde mit seiner Anwesenheit
ausgezeichnet.
Der Wein Anjous ,
die Rillettes und Rillauds aus seiner Heimat Anjou haben ihn und seinen
Appetit geprägt. 32 Bände umfasste sein Lebenswerk: Die französische
Gastronomie. Marcel Rouff sein Mitarbeiter verstarb beim 28. Band dieses
Lexikons der Gastronomie, er selber fügte vier Bände alleine hinzu.
Dutzende Kochbücher gab es aus seiner Feder, ein öffentliches
Referendum kürte ihn 1927 zum König der Gastronomen Frankreichs.
Am 23. März 1928
gründete er die Akademie Gastronomique Francaise mit 40 Sitzen um einen
runden Tisch. Jeder Sitz hatte einen speziellen Namen - Von Epikur über
Talleyrand und Careme bis Brillat Savarin.
Cournonsky war
gesund bis ins hohe Alter. Die letzten Jahre seines Lebens eröffnete er
Messen und Hotels und war überall ein gerne gesehener Gast.
Cournonsky soll in den letzten dreißig Jahren seines Lebens keine
einzige Gasthausrechnung bezahlt haben. Sein Besuch galt als eine
Auszeichnung für den Wirt. Seine göttliche Fähigkeit Freunde und
freundschaftliche Situationen zu schaffen erleuchtete vielen Nachfolgern
in der Gastronomie den Weg
Ein tragischer
Unfall beendete sein Leben 1956.
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