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AUGUSTE ESCOFFIER
/ CESAR RITZ
- Humanisten
und Reformatoren.
Auguste
Escoffier wird oft beschrieben, aber solche die es versuchen sein Denken
und seine Hinterlassenschaft in die aktuelle Küche ein zu fügen kommen
zuerst aus reinem Selbstgeltungstrieb an die Persönlichkeit
Escoffiers heran. Seine Küche und sein klingender Namen verführt die
Köche eher dazu daran zu denken noch einmal viel Geld damit
zu verdienen, als aus seinem Erfahrungsschatz zu lernen.
Es ist der
Müßiggang der Wissenschaft, sich nur dort zu befleißigen, wo man sich
schnelle große Gewinne verspricht, und das zu lassen was sich nicht
lohnt oder gewissen Kreisen Sorgen bereitet. Welcher Hotelfürst und
Lokalkettenmogul der Gegenwart würde sich dafür interessieren, wenn er
an vielen Stellen der Lebensgeschichte dieses großen Fürsten unter den
Köchen mit dem sozialen Elend konfrontiert werden würde, das in der Zeit
des großen, aber körperlich kleinen Kochs in den Küchen herrschte.
Seine Körpergröße brachte ihm Erfahrungen mit der völlig harten Arbeit
als Koch und Einsichten zu welchen ein großer starker Mann nie fähig
gewesen wäre. Seine Frau und die familiäre Nähe zu einem Verleger sowie
sein Sinn für Kunst und Oper besorgten den Rest, die Arbeit als
Küchenliterat der uns ein unendlich umfangreiches und inspirierendes
Werk hinterlassen hat.
Ich will ein
wenig ausholen und Dinge ans Licht der Gegenwart bringen welche gerne
aus vollem Bewusstsein über die soziologischen Konsequenzen gerne
vergessen oder unterschlagen werden. Ebenso wie Cesar Ritz nicht der
Hotelkönig war, der er heute zu sein scheint: - Seine eigenen Verwandten
haben das Genie schon kurz nach seinem Tod nur wegen der
Hinterlassenschaft an Gütern lieb gewonnen. Der Typus des Menschen
jedoch war ihnen peinlich und so feilte man sich eine Ikone, ähnlich wie
bei Escoffier. Heute passen die beiden auf jedes Silbertablett im
Sternetempel einer Welthauptstadt. Escoffiers Küche kommt aber nicht auf
den Tisch, oder nur sehr selten und verzerrt.
Die Beiden
waren einzigartige Erscheinungen - eng verbunden mit ihrer Zeit,
Persönlichkeiten an denen man nicht vorüber kann, ohne in die Tiefe
ihres Daseins einen Blick geworfen zu haben. Eng liiert mit den
damaligen Errungenschaften der Technik und der Wissenschaft. Mikroskop
und Konservierungstechnik, Eisenbahnen Ozeandampfer und humanistische
Erkenntnisse fließen beständig in die Arbeit des Kochs ein.
Der Hotelkönig,
der er nicht war und der Kochkaiser, der er nie wirklich sein wollte,
sie werden heute noch nicht richtig verstanden, weil man sie in den
Schulen nur als Köche oder Unternehmer wahrnehmen will. Dass Beide
heimlich Verehrer der kommunistischen Idee waren bleibt sowieso auf der
Strecke. Nur in den Gedichten seiner Frau findet man Anspielungen auf
diese Facette seines Denkens. Man verbindet sie zu sehr mit Luxus,
selber lebten sie beide in der reinsten Notdurft. Hochmütiges - erzählen
uns zeitgenössische Biographen - soll ihren Mund nie verlassen haben.
Küchenpersonal
waren in den Burgen und Villen des Mittelalters größtenteils Sklaven.
Zumeist orientalischen Ursprungs. Italienische Kupferstiche und
Literaturzeugnisse zeigen es jedem Forscher: Wie arm diese Leute in den
Küchen altertümlicher Festungen dran waren kann man sich mit den
heutigen Gefühlen für soziales gar nicht ausmalen. Die Prügelstrafe war
noch das harmloseste das den meistens weiblichen Sklaven in den noblen
Küchen der Barone und Grafen, bei Versündigungen gegen das Hausgesetz
blühte. Von entsetzlichen Vergewaltigungen lesen wir in vielen
Gerichtsakten über Prozesse gegen Küchenchefs. Von Kerkerhaft und
Deportation ist die Rede für gestohlenes Brot das man einem kranken
Kinde bringen wollte.
Auch der
Meister des Sadismus Marquis de Sade beschreibt früher schon in seinem
Roman "Juliette et Justine" einige sehr geschmacklose Szenen aus dem
Dasein des Küchenpersonals. Es waren die Hausherrinnen, die besonders
schlimm mit den Küchensklaven umgegangen sind. Man warf ihnen,
wohl aus Eifersucht und Neid, wenn sie sonst nichts angestellt hatten,
Lüsternheit und Diebereien vor. Wollte man sie los werden dann verkaufte
man sie beispielsweise in England nach den Kolonien, wo sie für die
dortigen allein stehenden Abenteurer wie Vieh gleich im Hafen nach der
Ankunft versteigert wurden. Zu tausenden wurden sie im Laufe der Zeit
aber auf den Schiffen vergewaltigt und über Bord geworfen. In Frankreich
und England , Portugal und Spanien war es besonders schlimm, das
unerlaubte Essen eines angebissenen Brotes , oder eines Keks vom Tisch
des Herrn führte zu einem Standgericht, das Urteil war immer die
Verbannung in eine Kolonie. (James Mitchener - Die Bucht 1975)
In diese Welt
kam Ende des 18. Jahrhunderts der Feudalismus und die Dekadenz des
barocken Haushalts und die französische Revolution. Man wechselte jedoch
nur die Fahnen und die Vorhänge, schmolz Gold und Silberleuchter zu
Barren und lobte den neuen Geist der Republik. Eigentlich war Escoffier
damit der Weg vorgezeichnet. Irgendwer musste gut 80 Jahre nach der
Revolution endlich auf die Idee kommen, dass auch Köche Menschen sind
und nicht nur der Küchenchef oder der Restaurantbetreiber.
Küchen waren
stinkende Höhlen, Köche dreckige Kerle, alkoholsüchtig, grob und
unbarmherzig. Viele Tiere wurden lebend angeliefert und es gibt Berichte
von grausigen Tierschändungen in Hinterhöfen von Restaurants. Köche
brieten sich Katzen und Hunde und machten Geschäfte mit den Innereien,
Knochen und Fellen dieser Tiere welche zum Teil als Potenzmittel oder
beispielsweise Hundefett als Mittel gegen die Lungenschwindsucht konnte
man nur bei speziellen Köchen erwerben . Mit Rattenhäuten verdienten
sich so manche Küchenchefs das Geld für Schnaps und Tabak. Es gab so gut
wie keine Personalunterkünfte. In Schuppen oder in Dachböden waren
Kammern die man für Köche freimachte. Herdbuben schliefen neben dem
Herd. Der Körpergeruch war es wohl, der ihnen diese Lager beschieden
hat.
- Escoffier
erkannte den schlimmen körperlichen Zustand und forderte
Hygienerichtlinien nach denen Küchen und Unterkünfte gebaut werden
mussten. In jeder Küche kam ein Behälter mit einem beliebten
Hafersaftgetränk, welches von einem Pariser Arzt eigens für die
harte Arbeit am Herd entwickelt wurde. Die Herde waren heiß wie
Hochöfen... Berufswäsche wurde eingeführt und viele Hotels waren
durch diese Bahnbrechende Errungenschaft der Arbeiterklasse dazu
gezwungen das einfach nach zu machen, weil sie ansonsten keine
Chance mehr hatten einen guten Koch oder Kellner zu bekommen.
- Escoffier
forderte Küchen mit Tageslicht, gewöhnliche Küchen befanden sich in
Kellern und lichtlosen Räumen, und führte Nachschulungen bei seinen
Köchen durch, um Bildungsmängel zu beheben. Jedem Koch empfahl er
einmal monatlich in ein Theater zu gehen und sich Opern anzusehen.
In Ritz und Carlton Hotels gab es die erste für das Personal
zugängliche Bibliothek. Wochenzeitschriften mit politischen und
gesellschaftlichen Themen fanden sich in den Aufenthaltsräumen.
- Das
Prügeln von Lehrlingen und jungen Köchen wurde verboten.
- Das
Tellerservice wurde eingeführt. Es kommt aus der russischen
Tafeltradition und bedeutet, dass der Koch das Essen am Teller
fertig gestellt, so dass der Erzeuger des Essens die Speise so
gestalten kann wie er es sich vorstellt. Das kam vor allem auf den
Passagierschiffen an, denn bei hoher See wurden weniger Speisen
verschüttet. In den Hotel setzte sich dieses Service jedoch erst
nach dem zweiten Weltkrieg als Auguste Escoffier längst tot war,
durch.
- Die
Küchenplanung kam in die Hände der Köche. Eine Küche soll derartig
gestaltet sein, nach den Menschen die darin arbeiten, nach den
Bedingungen welche erforderlich sind um die gewünschten Speisen
herzustellen.
- Escoffier
gestaltete Küchengeräte mit, der Fleischwolf, der Cutter welcher
heute in den Metzgereien verwendet wird, die Passiergeräte und auch
eine Idee für einen Mixer sowie Eiserzeugungsgeräte dachte er sich
aus. Aus der Küche entfernt wurden Rüsttische aus Weichholz, der
Küchenboden , oftmals nur aus Holzlatten oder gar nur Lehm wurde
keramisch. Lüftungssysteme sorgten für frischere Luft.
Den
Escoffieristen unter den heutigen Köchen geht es eigentlich nur um
seinen klingenden Namen. Unter dieser Marke schmausen Genießer in aller
Welt etwas "Besonderes".
Escoffier
bedeutet nicht nur gutes Essen .
Dass wir heute
aber genau wieder vor diesen Problemen stehen wie Escoffier im letzten
Jahrhundert , daran wird noch nicht gedacht. Escoffier konnte einfach
nicht mehr die Küche Antonin Caremes herstellen. Die Ansprüche der
Kunden waren verändert. Ein Abendessen das Ende des 18. Jahrhunderts
noch 8 Stunden dauern konnte und musste, dauerte um 1900 nur mehr zwei
Stunden. Die Gäste waren jetzt Geschäftsleute, nicht nur der Adel kam zu
Tische in einem Restaurant. Und es waren einfach zu viele Gäste da. Der
Verkehr brachte die Menschen tagsüber in die Städte. Kaffeehäuser und
Hotels waren übervoll und das Essen musste schneller abfolgen. Solchen
Zwängen wurden viele Unternehmer damals nicht Herr.
Die
Dosenindustrie ruinierte schon um 1900 mehr Wirte als man sich heute
denken kann. Gifte im Essen: das Thema kannte Escoffier auch. Und die
Diagnostik der Medizin? Um 1800 waren 90% aller Todesfälle ganz klare
Fälle von Schwäche, Unfall usw. Im 20 Jahrhundert bemerkte man plötzlich
anderes. Bakterien im Essen und nicht alles was aus den
Margarinefabriken auf dem Teller eines Lokals ankam war gesund. Rahm und
Butter verfälschte man schon immer gerne . Es ist fast eine Erfüllung
der Sibyllinischen Weissagungen . >Und kommet die Zeit da man
falschen Rahm und falsche Butter speiset, da sehe ich sitzen ein
hoffärtiges Geschlecht vor vollen Schüsseln, nicht kauend und lachend,
nicht Zimbeln und Harfen begleitend ihr Mahl. Stumm und gezeichnet von
Thanatos Schrecken sehe ich den Tod aus vollen Bechern lachen....Hunde
und Katzen essen von goldenen Geschirren)
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