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Karl Friedrich Freiherr von Rumohr

Er lebte von 1785 bis 1843 in Sachsen, Preußen, Bayern, Holstein, Italien. Es war eine bewegte Zeit, von heute aus gesehen unspektakulär, gemessen an den Geschehnissen der Gegenwart. Die gute alte Zeit lässt so manches vergessen und verherrlich das was in der damaligen "Gegenwart" schlimm und schlimmer noch war als man es sich vorstellen konnte. Rumohr erlebte den Abfall der amerikanischen Staaten von der englischen Krone mit seinen Folgen für die Kolonialmächte die in ihren Stammgebieten mit weit revolutionäreren Ideen kämpfen mussten. . Die Franzosen entzündeten das unauslöschliche Feuer der Freiheit, Napoleon stieg auf und fiel...

Europas Fürsten blieben blind, Goethe schrieb die Farbenlehre und den Faust, die Klassik geriet unter die Fuchtel der „Schulmeister" , die Moderne wurde romantisch, Fortschritt und Rückschritt im steten Kampf um Macht... Ludwig van Beethoven wurde taub und Franz Schubert war noch jung.

Rumohr starb beim Frühstück, das Novalis die Knospe des Tages nannte, in seiner Villa in Dresden.

Rumohrs dilettantisches Leben kurz zu beschreiben ist nicht leicht. Er war ein Libertin ersten Grades liebte nur die Lasten welche er sich selbst auflud.  Ein Arbeiter und Esser der nie vergaß dass Arbeit und Essen in enger Beziehung steht. Er wäre Vordenker ganzer Generationen geworden, hätten ihn nicht die Feudalisten unter den Feinschmeckern mit ihren Ängsten sie müssten die Köche welche sie angestellt hatten auch bezahlen, fortgefegt. Seine Werke verbrannte nicht das Feuer, sie vermoderten in den Bücherregalen der Reichen seines Jahrhunderts verbrannt sozusagen doch wieder durch die Ignoranz, die Intoleranz seiner Zeitgenossen, die unter den Schreien der auflebenden Arbeiterklasse still und heimlich in ihren feudalen Villen bei französischem Lebensstil Feste feierten. Rumohr wollte man weder dem „Gesinde" noch der eigenen Jugend als Lesestoff geben. Seine Botschaft war sehr einfach und deshalb der Kompliziertheit der herrschenden Mächte ein Dorn im Auge.

Rumohr meinte eine Küche die den Anspruch auf Kunst erheben konnte, müsste von allen Bevölkerungsschichten verstanden werden und schuf ein Standardwerk für Küchenphilologen

DER GEIST DER KOCHKUNST

Ein kleines Handbüchlein, das völlig ohne Rezepturen auskommt und den Leser auf eine Reise durch die Weltkultur der feinen Küche führt. Die Art und Weise wie Rumohr einen Braten beschreibt, lässt den Leser die Zubereitungsvorgänge verstehen. Er ist der Meister der hohlen Hand. Gute Köche und Köchinnen arbeiten ohne Rezepturen, ihre Werkstoffe bedürfen keines Maßes, jede Millimeterarbeit ist ein Verderbnis der Kochkunst. Gefühl strömt in ein Gericht wenn der Koch es zu kochen beliebt. Rumohr gibt Anweisungen die Köche gut auszubilden und schreibt Richtlinien vor welche in den damaligen Küchen völlig undurchführbar waren. Küchenjungen verprügelte man und Herdmädchen welche einen Kuchen gestohlen hatten wurden wenn sie in einem Lande lebten das Kolonien hatte, auf das nächste Schiff verfrachtet und – ausgewandert.

Sein irdischer Nexus war Italien. Dort, so schreibt er, müsste die Heimat seiner Seele gewesen sein. die einfache Küche dieses Landes, seine Kräuter, die Nahrung genoss er wie Medizin, so gefielen ihm die Küchen  Italiens nicht  nur des aromatischen Geschmacks wegen. Auch die freiere Lebensart welche er dort vorfand lobte er über alles. Rom erlebte er schon in französischer Ordnung. Die wildromantischen Trümmer der Antike waren geordnet, registriert und teilweise schon abtransportiert. Bettler und Landstreicher zusammengetrieben und ebenfalls aus dem antiken Bereich vertrieben.  Die Hirten mit ihren weißen Kühen durften nicht mehr am Forum weiden und die antiken Stätten konnte man nicht mehr zur Nachtzeit betreten. Die Touristen welche um 1800 Rom aufsuchten störten sich nicht an den französischen Zäunen, sie kamen auf ein Jahr und waren gebildete Individualisten die zu leben wussten. Die Antike lebte in vor ihren Augen auf und man bestaunte frischeste Entdeckungen in Kellern und alten Häusern, fühlte sich römisch, klassisch...

Der König der Fettucine Roms um 1805  war ein Koch und Gastronom namens Palmaroli, dort speiste Rumohr am liebsten als er auf der Suche nach dem „Urbrei" das Land bereiste. Er speiste nur in Trattorien, das Noble mied er wegen des französischen Einflusses auf das dort angebotene Essen. 

Rumohrs Büchlein behandelt die Kochkunst auf eine liebevolle Art, er bedenkt Hygiene und Haushaltsführung  beklagt sich über geizige Hausfrauen und Schwindeleien bei den Zubereitungsformen. Rumohr war Koch aus Leidenschaft  für das Gute und Echte und aus Leiden an schlechten, fälschenden Küchen. Er war ein aufmuckender Esser, ein Lebenskünstler, doch ohne die provokante Haltung eines Dandys.

Am Ende war Rumohr Soziologe , ein milder Armenvogt, er wehrte sich dagegen als Gourmet zu gelten, dieses Attribut verabscheute er zutiefst, Gourmets waren für ihn hirnlose Fresser die dem Gerücht folgten aber selber keine Empfindungskraft hatten.

Er war ein Wirt der gesunden Volksküche, eigenartiger Weise beeinflusst von jenem englisch amerikanischen - bayerischen Grafen Rumfort , der die Kartoffel als Volkslebensmittel gepriesen hat und eine Gefängnissuppe erfunden hat die heute noch als Suppenwürfel fabriziert wird. Die französische Küche verachtete er. Er spottete darüber und nannte sie dekadent, weil sie die Köche versklavt und zur Dummheit führt. Der französische Koch war noch im 20 Jahrhundert ein Sklave. Trotz seiner Vorliebe für das antike Rom verachtete er am meisten das Buch des Kochs von Lukullus - Coelius Apicius. Das war für Rumohr der Beginn der Dekadenz in der Kochkunst, die scheußliche Verbindung des Lieblichen und Widrigen mit dem Bitteren und Zusammen- ziehenden.

Rumohr war gegen die Schmorküche, gegen die täuschenden Soßen. Er lobte sich den Braten, das Zusatzstofflose Brot und den Salat der nach Salatblatt schmeckt. Die französische Küche kochte zu Rumohrs Zeiten nach dem Römer Apicius und war deshalb diesem epikurisch suchenden Hedoniker zu pompös und übertrieben. Diese Dekadenz nannte er „gleissnerisch" (Hochmütig) und diesen Stil lehnte er daher vehement ab. Seine Schriften werden als sehr sozial angesehen, er war einer jener Denker welche aus Deutschland dafür politisch mit Neid auf die Franzosen sah, weil dort das Kaisertum die erste Niederlage erlitten hatte. Trotz Napoleon keimte dort Hoffnung auf ein freieres Leben.

Rumohrs Geist der Kochkunst erschien 1822. Zwei Jahre später schrieb Brillat Savarin seine Physiologie des Geschmacks. Es gibt gewisse Übereinstimmungen in den beiden Werken. Verstanden hätten sich diese zwei Leute nicht. Die bourgeoise Küche Frankreichs geistert heute noch in den Küchen herum und hält sich nur noch mit intensivster industrieller Hilfe am Leben. Rumohrs Buch erreichte nichts. Er lebt mehr in den Gedächtnissen von Literaturfreunden weiter als dass er Einfluss auf irgendeinen Koch genommen hätte.

Carus der Arzt fand an seinem sezierten Schädel Anomalien des Gehirns....

"Aus dem anmutigen Kochstile pflegt der hochmütige hervor zu gehen der die Ernährung, den Gehalt an Natürlichkeit  mehr und mehr vernachlässigt, alles in die Zierde und Zurichtung setzen wird. Die denkbar größte Entartung der Kochkunst besteht darin, weil man mit Verwunderung ansehen kann an welche Geschmacksperversionen sich der Mensch  gewöhnen lässt, wenn er, ohne zurückzudenken oder sich selbst Einhalt zu tun, dem Reize der Neuheit sich hingibt, und durch fortgehende Steigerung das Neue zu erhalten strebt."

 

 

Viel Lärm

Klappern mit den Töpfen ist die Schande der Kaufleute. Das war einmal. Wer heute keine Werbung macht ist geschäftlich tot. Die gute alte Mundreklame reicht nirgends mehr aus. So gibt es auch in der Gastronomie die Comic - haften Auswüchse dieser Mentalität. Jeder junge Furzer ist ein Star und wenn es niemand öffentlich sagen will, sagt er es selber.

Seine Welt ist im Gourmet Magazin und seine Kochkunst ist nur auf der Speisenkarte und im Prospekt. Sein Personal  hält er kurz und immer in Hoffnung auch  werden zu können wie er. Er ist ein richtiges Arschloch und fährt ein geleastes Auto ...

Wenn irgendwo eine Messe ist steht er als erster da und bestaunt irgendwelche anderen Glasperlenspieler. Wenn  er redet bezieht  er sich auf große Namen und ist irgendwann einmal pleite weil er so eine  miese Küchenbrigade hatte.

Rumohr hätte ihn  nicht beachtet. Er spuckte auf die Gleissnerei wie er die kulinarische Angeberei  beschrieb.