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Das Werkzeug des Kochs im Laufe der Zeiten

Das Werkzeug des Kochs, Wichtigstes Bestandteil eine jeden guten Küche ist entscheidend für die Zubereitung aller Speisen. Sie bestehen aus widerstandsfähigen Materialien, in der Gegenwart auch aus hygienisch einwandfreien Werkstoffen, was nicht immer der Fall war wenn man sich h in Ausstellungen über die Geschichte des Küchenwerkzeugs informiert.

Feuerfestes Glas, Porzellan und Chromstahl sind die gängigsten Materialien aus welchen Küchenwerkzeug besteht. Kochlöffel aus hitzebeständigem Kunststoff sind überall eingesetzt, wobei man hier wie bei Schneidebrettern sich durchaus noch den Luxus leisten sollte auf das gute Holz zurückzugreifen.

Über die frühesten Küchenwerkzeuge weiß man so gut wie nichts. Der Anfang unserer Kunst liegt so unmittelbar mit den Anfängen der Menschheitskulturgeschichte verbunden daß darüber nur spekuliert werden kann.

Ich möchte hier die viel  ältere Kulturgeschichte Indiens auslassen und auf einen weiteren späteren Aufsatz dazu verweisen.

In ägyptischen und assyrischen Gräbern haben die Grabräuber die Geschirre aus Metallen immer sehr gerne mitgenommen und sie umgearbeitet, aber auf Wandmalereien finden sich ausreichend Szenen dargestellt die Köche und Kellner bei der Arbeit zeigen.

Mehr archäologischen Aufschluss bekommt man da bei den Kelten, Russen und Slawen sowie den Indogermanischen Völkern. Steinguttöpfe und behauene Steinherde lagerten in den verlassenen Tälern bis sie entdeckt wurden und uns über die Küche jener Kultur Aufschluss geben. Eine Speise zu bereiten ist eine der wichtigsten Fähigkeiten jeder Zivilisation, Fleisch und Feldfrüchte konnten ohne Salz und einem Kochverfahren so gut wie gar nicht verzehrt werden, dazu muß man bedenken, daß die Gemüsekultur und Viehzucht auf einem sehr niederem Stand war und die Zubereitung von Nahrung weitaus kunstreicher gestaltet werden mußte als wir uns das gegenwärtig vorstellen können. Zähes Fleisch und holzige Früchte stellen große Anforderungen an die Kochkunst. Das Essen für den Hofstaat eines Herrschers erforderte einen eigenen Bau und sehr viele Menschen welche sich ausschließlich um die Lebensmittel kümmerten. Nicht umsonst setzen die Israeliten den nach Ägypten verkauften Josef dort als Verwalter der Scheunen und Speisekammern des Hohepriesters Potiphar ein. Man zeigte damit wie wichtig die Klugheit im Umgang mit den Nahrungsmitteln dem Herrscherhaus war.

Von diesem allgemeinen Wohlergehen waren alle Völker abhängig. Nahrungsmittelerzeugung war ein Staatsbetrieb. Kriegszüge konnten nur funktionieren wenn ein Herrscher es verstand nicht die nur im Land bleibenden Leute sondern auch den wandernden Kriegszug mit genügend Nahrung zu versorgen. So liefen diesen großen Feldzügen Boten voraus welche das zu überfallende Land vorwarnten genug Nahrung bereit zu haben wenn ihr Fürst es überfällt. Alle größeren Küchen wurden konfisziert und für den Zug bereitgemacht. Eigene Vorräte waren dazu da den feindlichen Zug zu befriedigen.

Wandernde Völker oder auf permanenten Kriegszügen befindliche Kulturen bevorzugten die metallischen und daher nicht so leicht brechenden Geräte, während die sesshaften Völker des Nordens viel mehr im Steingutgeschirr kochten und erst viel später auf metallische Gegenstände kamen. Zum Umrühren genügten dem Menschen durch den größten Teil seiner Geschichte der hölzerne Kochlöffel. Braten geschah am Spieß und in Kesseln schmorte und kochten die Köche in vielen würzigen Flüssigkeiten. Fette und Öle sowie Salz und aromatische Pflanzen taten ihr übriges um das gegarte auch wohlschmeckend werden zu lassen.

Die Israeliten, so wird es Josephus Flavius beschrieben, hatten bronzene Kochkessel welche sie über einem tonnenförmigen Herdfeuer setzten und darin das gemeinschaftliche Mahl kochten. Zur Entnahme der Fleischstücke kannten sie eine zweispiessige Gabel, Vorläufer der in Europa erst Mitte des 17. Jahrhunderts eingeführten Fleischgabel welche bis heute weltweit im Gebrauch ist. Mehr oder weniger finden wir in Reiseberichten und wissenschaftlichen Aufsätzen des 1. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung diese Art von Küche mit ihren Geschirren im gesamten Mittelländischen Raum verbreitet. Auf ihren Handelsrouten brachten die Phönizier diese Werkzeuge bis nach Dänemark und weit nach Afrika.

Griechen kochten in Bronze Eisen und Silber.

Einen besonders kulturgeschichtlich erwähnenswerten Hinweis auf die Abstammung der Kochkunst gibt uns ein Kochgerät der Griechen, die uns bis in die indogermanische Vorzeit bringt , als die Pionier aus den Tiefebenen um das Klassische Meer langsam somatisch in das Griechenland einwanderten wie man es heute kennt. Es ist das klassischste aller Kochgeschirre das es heute immer noch gibt. Das Kakkabi. Es ist ein großer Topf auf drei Beinen. Ursprünglich Steingut wurde er aus immer besser werdenden Werkstoffen erzeugt und stellt das wohl beste Mittel dar um sich in jeder Lage mit einem warmen Essen zu versorgen. Die griechische Küche mit ihren gemischt gekochten Speisen leitet sich von der Tradition des Gebrauchs dieses Kochgeschirrs ab. Hier kochte man sich jeden Eintopf den man sich vorstellen konnte. Diese Kochtöpfe stellte man gefüllt mit honigsüßen Früchtespeisen beim Fest Anthesteria dem Gotte Dionysos zum Altar und gab sich ausschweifenden Orgien hin. Das Teganon, ein weiteres Geschirr aus dem Altertum finden wir heute als Stielkasserole wieder .

Römische Aristokraten waren Meister des guten Geschmacks und empfindsame Herren der Gaumenfreuden. In einer Villa bei Sette Termini fand man den Schatz von Bosco Reale welcher in Paris ausgestellt ist. Neben tausenden Goldmünzen und sehenswertem Schmuck fanden sich auch Küchenutensilien unter den Fundstücken. Prächtig verzierte Kochgeschirre und Glas sowie Goldbestecke. Eine weiter Villa wurde um 1900 ohne archäologische Autorität ausgegraben und die Geräte verschwanden in private Sammlungen. Besichtigen kann man aber die wunderschönen Wandfresken sowie die prächtigst ausgestatteten Mosaike welche viele Szenen aus dem privaten Leben des augustäischen Zeitalters darstellen.

Römische Kochgeschirre welche in jedem Haushalt vorkamen waren das clibanus

ein Topf mit feinen Löchern im Boden wo man in heisser Asche braten konnte, das craticula ein kleiner Plattengrill den man auf offenem Feuer verwendete. Man konnte mit dieser Platte welche man überall hin mitnehmen konnte sofort auf glühenden Kohlen etwas zubereiten. Dann das apala . Es war ein Geschirr mit Vertiefungen wo man Eier kochte briet und röstete.

Die Vermischung römischer und keltischer Kultur in Gallien brachte den nördlicher wohnenden Völkern auch eine Verfeinerung der Kochkunst.

Aber bis zur Zeit der Merowinger erfährt man wenig über die Vorzüge der mitteleuropäischen Küchenkultur. An den Höfen dieser Könige wurde die Haustierzucht sehr gepflegt und die Zubereitung von Fleisch war traditionell wie seit Menschengedenken bei den Kelten und ihren Schwesterkulturen. Die Teller und Schüsseln zu Tisch änderten sich zuerst. Man speiste voll bewaffnet und in Gegenwart der Pferde zuweilen. Das Essen kam aus großen Kesseln die über frei brennenden Feuerstellen gehangen waren. Die Raffinesse und Gourmandise brachten eingelegte gezuckerte Früchte auf den Tisch und Bier sowie Wein floss in Strömen.

Nach den ersten Kreuzzügen erfahren wir kamen verfeinerte Geschirre nach Europa. Ziselietes Messing und Damszener Stahl bei den Klingen der Messer polierten die Tafelfreuden gehörig auf. Feudale Päpste taten ihr übriges und man lernte schnell den Luxus vieler bis dahin unbekannter Gewürze schätzen.

Wertvolle Kunstarbeiten finden wir an Schaustücken in Museen und privaten Sammlungen die zeigen uns eine große Wertschätzung ästhetisch geformter Küchengeschirre. Geschmiedete Schürhaken mit Drachenkopf aus Gold und Besteckmesser in Silber mit wunderschönen Motiven. Küchengabeln und Herdverzierungen von großem künstlerischem Wert, Ornamente überall und Stimmungsbilder elitärer Essgewohnheit waren in den Prunkschlössern Burgunds Statussymbol. Auch erfahren wir zuweilen in Chroniken schon erste Hinweise auf Persönlichkeiten welche die Küchenwirtschaft oder die Weinpflege besonders förderten. Besonders die Merowinger förderten den Weinbau bis ins bis dahin noch völlig wilde Sachsen und in den Raum des heutigen Österreichs. Der "Acoste" Topf Vorläufer unserer heutigen Kippbratpfanne, ein riesig anmutendes Geschirr der mit einer handlichen Kippvorrichtung zum Ausgießen der Flüssigkeit ausgestattet war , Die "Roable" ein überdimensionales Gabelgerät sind besonders erwähnenswerte Ausstattungsgegenstände mittelalterlicher Küchen durch viele Jahrhunderte.

Neben den Kochtöpfen und Umrührevorrichtungen gab es natürlich auch Siebe. Gallische Siebe aus Pferdehaare waren schon bei den Römern beliebt und sie blieben in ihrer Art bis ins letzte Jahrhundert gute Küchensiebe. Das Couloir ein Pressieb zum ausdrücken von Flüssigkeit aus einer Substanz oder die rastel ein Haken zum aufhängen vieler Dinge. Man lagerte die meisten Fleischsorten hängend um das Ungeziefer das laufen konnte gut fern zu halten. Tortenformen tartieres und Ausstecher für kleine Kuchen gehörten in jede Küche. Die Muskatnuss brachte feinste Reiben zu Tisch. Man würzte fast alles mit Muskat , es war das Paradegewürz des mittelalterlichen Tischs und durfte nirgends fehlen. Die Reiben dazu waren beliebte Geschenksartikel und Kunstgegenstände die einen Tisch eine Küche zierten.

Man kannte Fleischzerkleinerer und Mörser zum stoßen von harten Kernen und Nüssen. Mühlen für Mehl waren schon bei den Römern üblich , auch in völlig handlicher Form konnte man Kerne pulverisieren. Das auskleiden des Geschirrs mit Blattgold war schon einem Stamm in Innergallien bekannt wie der römische Naturforscher Plinius der Ältere es beschreibt. Die AEDUI kleideten die Innenseiten ihres Geschirrs mit Gold oder Silber aus wie Homer es in seinen Werken auch beschrieben hat. Das Wissen um die Geschirrherstellung war weiter verbreitet als die Kenntnisse Waffen zu erzeugen. Im Mittelalter waren die Geschirre verzinnt und wenn das gut gereinigt war dann konnte man es nicht von Silber unterscheiden.

Es gibt heute noch kulinarische Steuerungsbewegungen welche diesen Zeiten nachweinen und jammern daß es die alten Küchentraditionen mit ihren Geschirren und offenen Feuern und Spießen nicht mehr gibt. Das geschieht aus purer Dummheit und vorwitzigen Meinungen. Es ist heute schick sich in der Vergangenheit mit den Bequemlichkeiten zu bedienen sich aber dabei keinerlei Gedanken zu machen welche schlimmen Arbeitsbedingungen rund um die Bereitung der Speisen geherrscht haben. Gleich wie der Wirtschaftsfachmensch  einer großen Fabrik  heute nicht mehr mit dem Schwert gezückt seinen Mitbewerbern gegenübersteht wie einst Karl der Große dem König der Sachsen, so will man das doch noch immer von den Köchen so haben, dass sie teilweise unter den Arbeitsbedingungen des finsteren Mittelalters ihre Küche führen und man lobt die gute alte Zeit ohne dabei zu bedenken dass  sie uns zwar ihre Gegenstände überlassen hat aber nicht die Menschen welche diese Dinge in Händen hatten...

Antonin Careme bejammert die Situation der Köche schon im 18. Jahrhundert wenn er schreibt: " Das Kohlenfeuer tötet uns!" Escoffier fügt dem noch weiter Kapitel zu indem er das soziale Elend erkennt und für die Köche frische Luft fordert sowie die Möglichkeit Lesen und Schreiben zu lernen und Frischluft in den Küchenkatakomben. Die Besser Esser Sekte der Chainne des Rotisseures sollte sich einmal ihre Traditionen überlegen denn sie sorgen heute noch durch ihre Bevorzugung des überladenen Kochstils für eine schlechte Küche.

1849 schreibt Michel Chevallier als er sich über die Haushaltssklaverei der Industriegesellschaft entsetzte daß jede neue Vorrichtung welche die Hausarbeit und die Zubereitung des Essens erleichtert ein Segen für die Gesellschaft sei denn es lindert das Leid einer großen Bevölkerungsschicht enorm. Man kochte immer noch auf glühenden Kohlen und während man das Essen ständig rühren mußte damit der Topf nicht als Ganzes Feuer find atmete man eine völlig schlechte Luft ein und viele Küchenangestellte gingen daran wegen Unterversorgung mit Sauerstoff langsam zu Grunde. Lichtlos und in giftigen Gasen zu arbeiten war das Los der Köche um das sich kaum jemand scherte, am wenigsten die essende Elite welche unter den Kronleuchtern bei Kristallgläsern tafelte währen etwas weiter hinten im Palastkeller die Leute mit schlimmen Arbeitsbedingungen gepeinigt wurden. Die Freiheit des öffentlichen Raums meinte Chevallier kann durch bessere Küchenausstattung auch in den privaten Bereich getragen werden, das ist ein Auftrag den die herrschenden Klassen zu erfüllen haben. Ein verbessertes Gerät kann einerseits die Qualität der Arbeit bei diesen Dienstleistungen verbessern, ein anderes lässt wiederum eine Arbeit wo früher drei Personen notwendig waren, von einer einzigen Person machbar werden.

Die Gegenwart bietet uns daher , gewachsen aus diesen Grundgedanken der Humanität eine bequeme Küche. Der Einzug elektrischer Energie schaffte das lebende Feuer ab und machte den Weg frei für beste Hygienestandards. Kühlschränke ersetzten die verschimmelten Speisekammern mit ihren rostigen Haken und verzinkten Schüsseln. Wasserleitungen und am Ende der Mikrowellenherd vereinfachen die Speisenbereitung und so hat heute fast jeder Mensch die Möglichkeit sich schnell ein gutes warmes Essen zu kochen. Der Blick zurück jedoch sollte nicht ohne Respekt vor den zahllosen Arbeitern geschehen die uns die Entwicklung der Küchengeräte immer weiter getrieben haben.

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