Vom Lockdown Müll und anderen seltsamen entwicklungen





Die Zwangssperre bringt nichts Gutes für die genießenden Menschen



Für jede Zutat eine Box?

Und alles dazu als noch in Metallfolie, Papiersäcken und Plastiktüten? Essen zum Mitnehmen erkaltet schnell, vor allem zur Winterzeit. Der Müllberg den ein Weg zum Restaurant nachher verursacht, kann groß sein. Dazu ist das Einweggeschirr kaum ordentlich zu reinigen. Viele Kunststoffbehälter schrumpfen in der Geschirrspülmaschine, da sie nicht hitzebeständig sind. Andere mehrmals verwendbare, waschbare Behältnisse werden trotzdem unansehnlich und bekommen einen üblen Geruch. Dazu sind sie sperrig und die Mülltonne ist schnell gefüllt.

Essen zum Mitnehmen ist somit ein kleines kulinarisches Desaster.

Alles hat einmal mit "Chinese Food to take away!" begonnen. Schon vor gut 50 Jahren in den Großstädten, gab es beim Chinesen ein Fenster, wo man für daheim oder für unterwegs schnell eine leckere Delikatesse kaufen konnte. Die kam in einer kleinen tütenförmigen Box auf die Gasse gereicht und löschte den Appetit auf etwas Schnelles , Warmes für den Hunger wenn man sich den Weg ins Lokal sparen wollte oder für daheim seinem Partner etwas mitbringen wollte.. Die Verpackung wurde Heizmaterial.


Chinesisches Essen ist hervorragend zum Transport geeignet. Sofern es sich dabei um diese geschnetzelten Fleischgerichte mit Reis oder Nudeln. Pikant gewürzt und mit saftiger Soße handelt.


Jetzt in der Zeit wo der österreichische Gastwirt praktisch auf den Gast angewiesen ist, der sein Essen selber abholt, weil er im Lokal nicht Platz nehmen darf, ist das Abholessen wichtig für seinen Bestand. Doch schön ist das nicht. Die Österreichische Küche hat wenige Speisen die gemischt gut schmecken, lange heiß bleiben und auch beliebt sind, so dass man mit wenigen Gerichten und wenigen Behältern auskommen kann. Einen Schweinsbraten mit Semmelknödel weit zu transportieren stellt die Nachsichtigkeit bezüglich Qualität jeden Genießer auf die Probe. Schon nach wenigen hundert Metern wird das Ergebnis erschreckend sein. Es wird schlicht zu kalt geworden sein und vor allem der Knödel ist in Mitleidenschaft gezogen. Seine Lockerheit hat sich in die Konsistenz eines Golfballs verwandelt, die Soße schaut anders aus, das Fett trennte sich und ohne das wieder zu erwärmen wir es nur Enttäuschung geben. Gute Mitnimm - Speisen sind eben diese Kompakten Gerichte, wie etwa Reisfleisch, alle Arten von Risotti und Ragouts. Nudelspeisen mit herzhafter Soße und Suppentöpfe mit verschiedenen Einlagen. Hier kann man sogar eigenes Geschirr mitnehmen und es noch einmal daheim angekommen regenerieren, es leicht nachwärmen. .


Doch das ist nicht so leicht. Der Gast ist daran gewöhnt worden ein sprichwörtlicher König zu sein, und er will daheim genau so gut essen wie im Lokal gewohnt. Doch das geht nur wenn er sich auf andere Speisen einlässt und eine Weile auf die gewohnten Grillspeisen verzichtet. Oder sich damit abgibt , eine schlechte Qualität zu akzeptieren. Mitnehm Speisen sind in größeren Ortschaften sicher sehr praktisch, doch wer am Land einen längeren Weg hat, tut sich schwer. So ist auch eine Pizza nur wirklich gut, wenn sie frisch aus dem Ofen kommt und sofort verzehrt wird. Dann will jeder für sich ein verschiedenes Gericht, was die Einpackerei noch schwieriger werden lässt.


Wer die Müllflut umgehen will, nimmt sein eigenes Kochgeschirr mit zum Abholen des Essens und stellt es daheim angekommen wieder zum Erwärmen auf den Herd. So kann man das Essen auch auf die eigenen Teller anrichten und hat damit etwas Flair aus dem Lokal, das man sich für sein Essen ausgesucht hat.





Doch der Müll alleine ist es nicht. Das Essen schaut auch nicht gut aus.


Bei diesen Mahlzeiten aus Kunststoffboxen und Plastikschachteln besteht die Gefahr der Ess - kulturellen Verwahrlosung. Diese ist ja durch die grassierende Fastfoodkultur ohnehin im Argen. Denn wer an jeder Strassenecke zu Essen gewohnt ist und nicht auf eine gute Tischsitte achtet, erzeugt automatisch für sich eine Verwahrlosung. Fastfood Müll gehört auch sonst immerhin zum Schmuck in fast jeden öffentlichen Parkplatz Wald und Park.

Speisen im Stehe einzunehmen ist ab und zu eine Notwendigkeit, und an einem Imbissstand zu stehen um etwas zu essen ist durchaus nicht gemeint, wenn man von Verwahrlosung der Esskultur spricht. Aber unterm Gehen etwas zu essen, ist falsch.

Die Lockdown Zeit bringt sichtbar nichts fürs Auge. Der Mensch ist ein visuelles Wesen und er sieht sich auch beim Essen satt. Bevor er den ersten Bissen in den Mund nimmt. Die Anrichteweise auf dem Teller ist daher ein Wesen der Gastronomie.


Schon vor Jahrzehnten haben Köche damit begonnen alles auf einen Haufen zu richten. Das haben schlaue Köpfe in Hotelketten entdeckt , dass man damit gut schwindeln kann. Der Haufen wirkt größer, er befindet sich im Zentrum des Tellers, was es optisch ansprechend macht und rundherum genügen ein paar Spritzer Soße, anstatt das Fleisch völlig mit Soße zu bedecken. So spart man Kosten.


Alte Köche, damals, waren entsetzt, als sie die "Haufenanrichteweise" zuerst sahen und vollziehen mussten. Doch das hatte einen Sinn. Um bei Beschwerden nicht schlecht dazustehen, hat man den Gast zuerst den angerichteten Haufen "zerstören" lassen. Was unmittelbar passiert wenn der Gast den angerichteten Haufen zum Kosten mit dem Besteck anrührt. Die Zutaten und Soße war vermischt, oft schon vom Gast nachgewürzt und der Originalzustand daher schon weitgehend nicht mehr sichtbar. Je schneller das Essen kaputt war, desto weniger Wirkung die Kritik. Also hat die Haufen Anrichteweise, die wir heute fast lückenlos beobachten können, gewonnen. Der Gast konnte somit die Zutaten nicht mehr so gut trennen als zuvor. Logische Anrichteweise erlaubt den Gast die Beilagen getrennt vom Fleisch zu essen, sie selbst mit Soße anzufeuchten und praktisch alles vor sich zu haben im natürlichen Zustand nach dem Garvorgang.


Nach der Pandemie Sperre besteht da schon eine Gefahr, dass schlechte Anrichteweisen akzeptiert werden und die Menschen nur mehr Mischmasch Speisen jeglicher Art akzeptieren. Vorreiter ist die schon lange grassierende "Burgerkultur", wo zwischen zwei oft ohnehin fragwürdigen miserablen Brotscheiben oft nur katastrophal elender Schund aufgeladen wird. Hier werden auch die Geschmacksnerven entsprechend abgestumpft. Es ist überhaupt eine Verwahrlosung der Esskultur zu beobachten, sichtbar allerorts und im Besonderen wenn man einschlägige Werbeliteratur der Großmärkte betrachtet. Da können Gourmetsiegel und Gütesiegel aller Art auch nicht mehr hinwegtäuschen.


Wir werden sehen...


Bernhard Gössnitzer Jänner 2021